Stadtentwicklung in Schopfheim und seinen Ortsteilen

Bürger*innen entwickeln die Stadt Schopfheim: Aufwertung des Anna-Kym Stadtparks

25. Juli 2021 von Jürgen Fremd im Namen der Bürgerinitiative Attraktive verkehrsfreie Innenstadt

Gedanken zur Idee der Aufwertung des Anna-Kym Stadtparks

Fakten

Der Stadtpark wird gerahmt von hauptsächlich alter Bebauung, die teilweise aber auch schon einige unglückliche Modernisierungsversuche erlitten hat, sowie den beiden neuzeitlichen Gebäuden der VR-Bank Schopfheim-Maulburg und dem Hatay Grill Schwarzwald.

Im Stadtpark sind noch einige beeindruckende historische Relikte erhalten:
Das neobarocke Pflanzenhaus (Orangerie) der einstigen Eigentümer, welches heute das wenig einladende Parkcafé beherbergt.
Alte Gehölze, die zum Teil noch aus Zeiten der früheren Eigentümer stammen dürften,
Das alte, heute trockengelegte Wuhr.

Darüber hinaus ist der Anna-Kym Stadtpark ein Zeugnis seiner ersten Umgestaltungszeit ab den 50er Jahren. Es wurden z. B. die Brücken über das Wuhr gebaut und das Wasserbecken angelegt und einigen Ergänzungen wie z. B. Kunstobjekte.

Nutzungsangebot

Das Nutzungsangebot im Anna-Kym Stadtpark ist vielfältig.

Bewertung

Wir, die Bürgerinitiative Attraktive verkehrsfreie Innenstadt, sehen den Anna-Kym Stadtpark als eine idyllische, grüne und ruhige Oase an zentraler Stelle der Stadt Schopfheim mit einem schon jetzt differenzierten Nutzungsangebot. Die Defizite, die es zweifellos auch gibt, können durch einige wenige Eingriffe behoben oder kompensiert werden.

Die verträumte, idyllische Atmosphäre dieser Ruhe-Oase soll unbedingt erhalten werden

Insbesondere die Wuhr (der Kanal) trägt ganz wesentlich zu diesem Idyll bei. Sein gemauertes Bett ist historische Substanz und sollte zu Teilen so bleiben. Der Wasserfluss muss gewährleistet sein. Damit kann zu großen Teilen die Vermüllung des Wuhr vermieden werden.

An breiter Stelle des Wuhr (Kanals) soll die Möglichkeit bestehen, über Treppen an das flache Wasser zu gelangen und dort auch zu sitzen. Damit gelingt die Zusammenführung der beiden durch den Kanal deutlich getrennten Teile - die idyllische grüne Oase wird im Erleben um vieles ganzheitlicher und offener. Der historische Kanal bleibt an anderen Stellen erhalten und erlebbar.

Kinderspielmöglichkeiten sind ausreichend vorhanden.

Konkretisierung

Teilweise Erhalt des idyllischen, verträumten Charakters, insbesondere entlang des Wuhr (Kanals)

Der Wasserfluss muss in niedriger Höhe gewährleistet sein.

Eventuell ersetzen der Betonbrücke über den Wuhr, z. B. durch eine filigranere Brücke mit Geländer, wie die schon vorhandene, als Zeugnis der Parkgestaltung der 50er Jahre.

Um den Wuhr besser erlebbar zu machen, könnten von den bereits vorhandenen Sitzbänken entlang des oberen Rands z. B. jede zweite Sitzbank so aufgestellt werden, dass sie sich dem Wasser zuwendet.

Die Bepflanzung am teilweise alten Kanalufer sollte verändert werden, z. B. Pflanzung von Gehölzen auf der gegenüberliegenden Seite der Sitzbänke mit überhängendem Wuchs, die über die Kanalwände zum Wasser hängen. Solche Planzen sind z. B. die insektenfreundlichen Wildrosen oder Pfeifensträuchern (Philadelphus = falscher Jasmin).

Es braucht eine engmaschige turnusmäßige Reinigung des Wuhr.

Reperatur der unter Denkmalschutz stehenden Stellfalle am Hammerwehr in Fahrnau, an der das Stadtwuhr von der Wiese abgezweigt wird, um einen dauerhaften Wasserstand zu gewährleisten.

Positiv hervorzuheben ist, dass die Stadt kleine Inseln im Stadtpark als Wiese erhält, selten und spät im Jahr mäht und so einen kleinen Beitrag zur Biodiversität ermäglicht. Das sollte unbedingt beibehalten, die Flächen eventuell vergrößert werden und wäre weiter ausbaufähig:
So könnte zum Beispiel das Hügelbeet und andere Rabatten künftig mit mehrjährigen Stauden gestaltet werden, statt sie zwei- bis dreimal jährlich mit Wegwerfpflanzen neu zu bepflanzen. Durch die Verwendung von hitze- und trockenheitstoleranten Stauden lässt sich der Pflegeaufwand, insbesondere die Bewässerung während der Sommermonate, erheblich reduzieren. Wie es bei der Randbepflanzung im Stadtpark zur Bahnhofstraße hin oder der Bepflanzung einiger Schopfheimer Kreisel bereits praktiziert wird, könnten auch für das Hügelbeet und die anderen Rabatten im Stadtpark eine Vielzahl insektenfreundlicher Pflanzen gewählt werden.

An dieser Stelle muss den Schopfheimer Gärtnerinnen und Gärtnern ein großes Kompliment für die dauerhafte Pflege der Anlage ausgesprochen werden.

Zweifellos ist es besonders für Kinder ein Riesenspaß, im Wasser herumwaten, spielen und planschen zu können. Deshalb könnte beim Wasserbecken im vorderen Bereich des Stadtparks an einer Seite eine Blockstufe über die gesamte Beckenlänge den Einstieg ermöglichen beziehungsweise erleichtern.

Café im Anna-Kym Stadtpark

Ein Juwel mit Außengastronomie. Seitens der Stadt Schopfheim sollte im Rahmen der Verbesserungen im Anna-Kym Stadtpark immer wieder das Gespräch mit dem Eigentümer und dem Betreiber des Parkcafés gesucht werden und versucht werden, hier eine attraktive Lösung für beide Seiten zu finden.

Seniorenspielplatz

Schräg gegenüber des schönen Kinderspielplatzes können wir uns eine Senioren-Fitness-Anlage ähnlich derjenigen in Langenau vorstellen. Eltern und Großeltern sehen zu den Kindern und bewegen sich gezielt selbst.

Boulspiel

Zwischen Orangerie und Voliere kann freizeitliches Boulespiel in sehr schönem Ambiente stattfinden.

Über den Stadtpark hinaus

Die Befassung mit diesem Thema macht sehr deutlich, wie dringend die Stadt Schopfheim ein Freiraumentwicklungskonzept benötigt. Neben dem Schopfheimer Anna-Kym Stadtpark braucht die Stadt Schopfheim ein Netz von attraktiven Freiräumen, ein Freiraumsystem zunächst für die gesamte Kernstadt von Schopfheim mit verschiedenen Orten für unterschiedliche Nutzungen und Funktionen, bei denen jeder Ort einen ganz eigenen Charakter erhält.

Konkrete Vorschläge Freiraumsystem Schopfheim

Angesichts zunehmender Klimaerwärmung und längeren Zeiträumen mit Niederschlagsmangel, einem massiven Insektensterben, aber auch z. B. die SARS-CoV-2-Pandemie hat gezeigt, von welch zentraler Bedeutung Freiräume in den Städten sind. Selbstverständlich ist jeder gepflanzte Baum und jede von Bebauung freigehaltene Fläche überaus wertvoll. Um aber nicht in planlosem Aktionismus zu handeln, ist ein Freiraumkonzept für Schopfheim dringend erforderlich.

Erste Vorstellungen

Ein Freiraumnetz über die Stadt Schopfheim in Form linearer Grünzüge und punktueller Grün- und Stadträume, z. B.

Horizontale Grünverbindungen

Entlang der Wiese, des Schlierbachs und der Kanäle. Renaturierung der Wiese am Beispiel der Lörracher Wiesionen und der Renaturierung auf Höhe von Maulburg sowie die Renaturierung der begradigten Abschnitte des Schlierbachs.

Vertikale Grünzüge

Von Berg zu Berg durch Grünflächen wie Sengelen, Anna-Kym Stadtpark, Öffnung von Schulhöfen, Marktplatz, Kirchplätze (Alte Kirche, Katholische Kirche, Evangelische Stadtkirche), Spielplatz an der Wiese, Friedhof, Krankenhausgarten, ...

Auch wenn die Grünzüge sich nicht immer als zusammenhängende Grünverbindungen realisieren lassen, könnte das Freiraumsystem doch so gestaltet werden, dass die Grünflüchen und Plätze nicht zu weit auseinanderliegen und zu Fuß gut erreichbar sind. Lücken in den Grünverbindungen könnten durch Straßenbäume, Fassaden- und Dachbegrünungen weitgehend geschlossen werden.

Ausblick und weiteres Vorgehen

Wichtig wäre:

  1. Die Erfassung der vorhandenen Freiräume, Stadtplätze und Grünflächen und die Bewertung ihrer Qualität und Quantität,
  2. Um daraus Erkenntnisse zu gewinnen zu Potenzialen und Defiziten
    • Welche Arten von Grünflächen und attraktiven Aufenthaltsorten im Freien fehlen oder sind nicht gut geeignet?
    • Welche sind da?
    • Welche könnten optimiert werden?
  3. Die nächsten Schritte müssten sein
    • Vorhandene und eventuell neue Orte zu identifizieren, die dafür geeignet wären,
    • Vorschläge für spezifische Funktionen und Charaktere zu entwickeln
    • Entsprechende Maßnahmen für Aufwertung und/oder Neugestaltung vorzuschlagen
  4. Aus diesen Einzelschritten in einem Freiraumkonzept ein gesamtstädtisches Freiraumsystem zu entwickeln, gegliedert in kurzfristig umsetzbare Maßnahmen und mittel- und langfristige/­perspektivische Maßnahmen

Bürger*innen entwickeln die Stadt: am Beispiel Johann-Peter-Hebel-Schule

07. Juli 2021 von Dr. Andreas Blum, Rolf Zimmermann und Dr. Uwe Gerber

Blick auf die Vorderseite des Gebäudes in der Torstraße 4 in Schopfheim

Die Johann-Peter-Hebel-Schule befindet sich in de Torstraße 4 in 79650 Schopfheim

Geht man auf dem Weg von der Lenk-Plastik auf dem Lindenplatz zur Johann-Peter-Hebel-Schule in der Torstraße 4 die Entegaststraße bis zur Hausnummer 12, dann wird man auf einen ruhigen Tag in den Schopfheimer 1848er-Revolutionswirren um Hecker, Struve und Herwegh aufmerksam gemacht: In dämm Hus isch am 18. April 1848 garnüdd bassierd. In diesen Jahren war der in der Torstraße 1722 im Adelshof der Familien Höcklin und Ulm erbaute Kornspeicher bereits 1830 in eine Zeichenschule umgebaut und ab 1842 als Höhere Bürgerschule verwendet worden (Karl Seith: Beiträge zur Geschichte der Stadt Schopfheim, 1963, 187. 18656#41; wurde daraus die Gewerbeschule und seit 1968 ist die Hebel-Schule als Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit Förder­schwerpunkt Lernen dort untergebracht. Die Schule wurde erst 1974 als Hebelschule und ab 1985 als Johann-Peter-Hebel-Schule benannt.

Der Umzug in den Campus in der Roggenbachstraße sollte bereits 2021 geschehen, wurde aber am 20. Oktober 2020 auf den Herbst 2022 verschoben (Jahrbuch 2020, 252, 267).

Übrigens: Johann Peter Hebel ging nie in die später nach ihm benannte Schule, sondern er besuchte die ab 1770 im sogenannten Wengerhaus in der Torstraße 3 untergebrachte Lateinschule von Hausen aus in täglicher Wanderung, bis er 1784 nach seiner Konfirmation in das Gymnasium illustre nach Karlsruhe kam (August Eberlin: Geschichte der Stadt Schopfheim, 1878, 129f.; Karl Seith: Beiträge zur Geschichte der Stadt Schopfheim, 1963, 317ff.). An der Torstraße 3 ist eine entsprechende Tafel angebracht.

Blick auf die Rückseite des Gebäudes in der Torstraße 4 in Schopfheim

Die Stadt Schopfheim erwägt nach wie vor, dieses von der attraktiven Altstadt nicht wegzudenkende Gebäude in der Torstraße 4 zu veräußern. Das wäre ein Frevel an der Schopfheimer Stadtgeschichte, denn ein solches historisches Haus sollte ausschließlich durch städtische Hand verwaltet, gestaltet und genutzt werden.

Als Grund für den Verkauf wird die Unrentabilität des Gebäudes angeführt. Mag sein, dass in der jetzigen Funktion als Schule kein Profit erwirtschaftet wird. Jedoch sind Schulen in behördlicher Verwaltung aus bekannten Gründen selten rentabel. Es ist auch zu befürchten, dass durch die immens gestiegenen Kosten für den neuen Campus die Hebelschule künftig (im neuen Gebäude in der Roggenbachstraße) als unrentabel eingestuft werden muss.

Durch eine Umnutzung kann dieses Gebäude mit Sicherheit wirtschaftlich betrieben werden, da es laut Beschlussvorlage vom 23. April 2018 TOP Nr. 13 (Gutachterausschuss vom 31. Januar 2018) in einem baulich pfleglichen Zustand (ist), aber letztlich der Komplettsanierung [...] bedarf. Im Klartext: Das Haus kann Jahre weiter genutzt werden und mit überschaubarem Kostenaufwand für Selbstständige und Kleinbetriebe in einen attraktiven Standort in einem historischen Ambiente umgewandelt werden. Es können Büros für die Stadtverwaltung und private Nutzer, Praxen aller Art und Dienstleistungsunternehmen, Co-Working-Räume und längerfristig vermietete Wohnräume entstehen. Die meisten Nebenkosten können auf die künftigen Mieter umgelegt werden, sodass für die Stadt Schopfheim höchstens interne Kosten anfallen. Diese werden jedoch deutlich geringer ausfallen, da die Kosten für den Schulbetrieb nicht mehr auf das Gebäude verbucht werden können.

Die Nutzfläche des Gebäudes beträgt ca. 1426 m². Wenn diese Fläche zu 70 % zu 7.- Euro/m² vermietet wird, belaufen sich die Einnahmen auf ca. 84 000 Euro bei nur geringen Nebenkosten.

Ein positiver Posten, der über Jahre gesichert ist, steht in der städtischen Bilanz in einem wesentlich besseren Licht als ein aus dem Verkauf resultierender einmaliger Posten. Darum fordern wir, die Bürgerinitiative Attraktive verkehrsfreie Innenstadt, dass dieses einmalige historische Gebäude in der Torstraße 4 im Besitz der Stadt Schopfheim bleibt.

Bürger*innen entwickeln die Stadt Schopfheim: Beispiel Marktplatz und Lindenplatz

25. Mai 2021 von Dr. Andreas Blum, Dr. Uwe Gerber und Rolf Zimmermann

Die Innenstadt ist wie eine Wohnung, die man ständig neuen Lebensgewohnheiten anpassen, verschönern und erhalten muss. Wir stellen uns vor, dass der Bereich Markt- und Lindenplatz in Schopfheim als zentraler innerstädtischer Platz autofrei wird und seiner ursprünglichen Bedeutung entsprechend für unsere heutigen Anforderungen und Möglichkeiten neu gestaltet werden soll (Dr. Acocella-Gutachten 2018).

Animation des umgestalteten Marktplatzes in Schopfheim

Welches ist der Linden- und welches der Marktplatz?

Im Grundrißplan von 1790 wird der heutige Markplatz ab Wallstraße bis zur Lenk-Plastik als Lindenplatz ausgewiesen. Ebenso in einem Plan von 1822, in dem die heutige Fläche zwischen der Lenk-Plastik und dem Kronenbrunnen als Marktplatz bezeichnet wird. Johann Peter Hebel schwärmte in einem Brief von 1815 von dem Duft der Linden, den er bereits als Schüler der Lateinschule 1771-1774 öfter mit Gleichaltrigen zusammen genoss. Eine Lithographie von Gustav Wilhelm Friesenegger von 1843 zeigt die Vorstadt und das 1826 von Weinbrenner auf dem Lindenplatz erbaute Rathaus. Der im Stadtmuseum vorhandene Lichtschirm aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bietet eine Abendszenerie mit Personen, die auf der Lindenstraße wandeln.

Für den historischen Lindenplatz hat sich die Bezeichnung Marktplatz eingebürgert, nachdem der Wochenmarkt von der Torstraße hierher verlegt worden war.

Mit einem Gemeinderatsbeschluss vom Juli 2014 wurde die Fläche des Gesamtplatzes entlang der Hauptstraße zwischen der Wallstraße und dem Kronenbrunnen offiziell in zwei Flächen unterteilt und benannt. Eine Fläche als Marktplatz von der Wallstraße bis zur Linie zwischen dem Alten Amtsgericht, Hauptstraße 29 und dem Rathaus, Hauptstraße 31, und die zweite Fläche als Lindenplatz ab dem Alten Amtsgericht, Hauptstraße 29 bis zum Kronenbrunnen.

Stadtplan mit hervorgehobenem Marktplatz und Lindenplatz Bereich

Der Platz unter der Lenk-Plastik war vor allem 1848/49 als Anlaufstelle von revolutionär Gesinnten wichtig, woran die Lenk-Plastik erinnert. Und die Krone (2021: Neue Kone) diente als Sitz der Unteren Lesegesellschaft und als Versammlungsort der republikanisch eingestellten Schopfheimer. Von diesen kulturellen und politischen Institutionen ist heute nichts mehr zu spüren. (Wir bedanken uns bei Frau Dr. Schmid für sachdienliche Auskünfte.)

Gestaltung der Innerstädtischen Plätze

Im Folgenden geht es um die Gestaltung des Marktplatzes und Lindenplatzes. Dazu bedarf es nicht nur relativ geringer Finanzmittel, sondern vor allem Phantasie, Mut und Gestaltungsfreude. Beide Plätze und die umliegenden Gebäude werden mit der Umgestaltung unserer Konsumgesellschaft in den nächsten 20 bis 40 Jahren neue Aufgaben erhalten. Sie werden südländischer, nämlich kommunikationsoffener und stressfreier sein. Der gezielte Kaufverkehr wird durch den Versandhandel ohnehin drastisch abnehmen, und den Durchfahrverkehr wird man ganz abstellen. Mit der attraktiven Umgestaltung werden sich mehr zu Fuß Gehende, Radfahrende, ältere und behinderte Menschen, Familien, Jugendliche und Touristen aus verschiedenen Gründen und Zielen in der Innenstadt von Schopfheim aufhalten. Die Gebäude, vor allem das ehemalige Bezirksamt und die Uehlin-Häuser, werden multifunktional genutzt mit einem Informationsbüro, der Volkshochschule (VHS), Dienstleistungsbetrieben, der Gastronomie. Auf dem Markt- und Lindenplatz möchten Menschen ausruhen auf beweglichem Mobiliar, miteinander reden, sich allein oder mit anderen zusammen erholen, spielen; manche können musizieren, Sketche aufführen und sonstige Aktivitäten zum Besten geben. Für jedes Alter ist gesorgt. Ein Brunnen kann wie früher den Platz beleben.

Die Wohnung Markt- und Lindenplatz wartet auf diese schrittweise Verwirklichung der Innenstadt-Schopfheim 2040. Für die Gestaltung der Innenstadt muss der Mensch im Mittelpunkt stehen und nicht das Auto. Die Innenstadt dient der Kommunikation der Bürgerinnen und Bürger. Nur so kommen wir Bürger und Bürgerinnen in den Planungen nicht mehr nur als gestresste Konsumenten und Autofahrende vor, sondern als Menschen, die einander begegnen, die miteinander reden, essen, trinken, Spaß haben und in Ruhe einkaufen.

Bürger*innen entwickeln die Stadt Schopfheim - Uehlin Häuser

10. Mai 2021 von Jürgen Fremd

Silhouette der Schopfheimer Hauptstraße

Warum sind die Uehlin-Häuser ein Zentrum der Stadt?

Das Stadtbild im Zentrum von Schopfheim hat sich baugeschichtlich uneinheitlich entwickelt um den Marktplatz herum. Die geschlossene Häuserreihe erhielt vor etwa 132 Jahren mit der Scheffelstraße eine Öffnung Richtung Süden.

Blick auf die Buchbinderrei Specht in Schopfheim
Quelle: Sammlungen Museum der Stadt Schopfheim / Inv.Nr. PH/204. Das Uhrheberrecht liegt bei der Stadt Schopfheim

An der Nord-Einmündung stehen zwei Eckhäuser, und eines davon ist Haus B der beiden unkoordiniert erscheinenden Uehlin-Häuser. Diese haben heimatgeschichtliche Bedeutung in Verbindung mit dem Schopfheimer Demokratie-Pionier Johann Georg Uehlin.

Johann Georg Uehlin wurde am 23.09.1819 in Schopfheim geboren und druckte 1864 in diesem Haus eine der ersten Freien Zeitungen im damals kleinstaatlichen Deutschland. Er war Mitglied im Schopfheimer Gemeinderat 1848/49 und Mitglied der Bürgerwehr, weshalb er anlässlich der Badischen Revolution 1848 am Struve-Aufstand mitbeteiligt war. Das Revolutionsgeschehen zwang ihn Anfang der 1850er Jahre zur Flucht in die Schweiz, wo er das Buchdruckerhandwerk erlernte. Er kehrte in den späten 1850er Jahren zurück nach Schopfheim und begründete die Bürgerliche Lesegemeinschaft im Gasthaus Krone. 1864 gründete er die Druckerei Georg Uehlin und druckte am 15.10.1864 die erste Ausgabe des "Statthalter" mit einer Handpresse. Der "Statthalter" für den Kreis Lörrach und Umgebung wird zum "Markgräfler Tagblatt", das ab 1.1.1883 täglich erscheint.
Johann Georg Uehlin war ein Pionier, der mit seiner Freien Zeitung in der damals turbulenten Zeit für Freiheit und Demokratie kämpfte - ein wichtiger, unvergessener Baustein Schopfheimer Kultur.

Was kann aus den Uehlin-Häusern werden?

Die Uehlin-Häuser waren und sollen ein multifunktionaler Kommunikationsmittelpunkt in Schopfheim bleiben. Das historische Stadtbild muss erhalten bleiben, so wie das Gebäude des ehemaligen Gasthauses 'Linde'. Durch den Wegfall der Denkmalschutzauflagen kann der Umbau modernes funktionales sehr gut mit Historischem vereinen und dennoch kann das geschichtliche Straßenbild erhalten bleiben. Die hervorragend angenommene neue Fußgängerzone der Scheffelstraße und die Umgestaltung der Hauptstraße unterstützen dieses Vorhaben in hohem Maße.

Bürger*innen sowie die Gewerbetreibenden retten Schopfheimer Brunnen

März 2021

Um Geld einzusparen, beabsichtigt die Stadt Schopfheim und der Gemeinderat einige Brunnen in Schopfheim abzustellen und stillzulegen.

Brunnen gehören zum Stadtbild und bedeuten Geschichte(n) und Kultur. Brunnen abzustellen oder stillzulegen bedeutet eine starke Reduktion der Lebensqualität. Das Stadtbild erleidet für Bewohner und Besucher einen kulturellen und auch ökologischen Schaden. Dies wollen viele Schopfheimer Bürgerinnen und Bürger verhindern – und wollen damit der Stadt helfen.

Zu Schopfheim gehören die Brunnen, Wuhre und Bäche in der Kernstadt und in den Ortsteilen. Deshalb bitten die Bürgerinitiative Attraktive verkehrsfreie Innenstadt und die Bündnis 90/Die Grünen die ortsansässigen Firmen, Betriebe, Geschäfte und ebenso Privatpersonen darum, Patenschaften für einen Brunnen zu übernehmen.

Die Firma Magnetic Autocontrol GmbH in Fahrnau hat mit der Begrünung des Fußgängerbereichs in der Scheffelstraße ein Vorbild geschaffen.

Wie traurig und ausgetrocknet sieht ganz Schopfheim aus, wenn die Brunnen und Wasserläufe fehlen.

Eine Liste der Brunnen: Brunnen in Schopfheim

BRUNNEN Eguedi Sach

Zu BI und Grüne suchen Brunnenpaten, Badische Zeitung vom 20. März 2021

Als gebürtiger Schopfheim habe ich die Berichte gelesen, dass die Stadt kein Geld hat, die stillgelegten Brunnen wieder mit Wasser zu beleben oder auch zu restaurieren. Das ist sehr bedauerlich, weil das weniger Lebensqualität bedeutet. Ich möchte den Aufruf zu Brunnenpatenschaften mit einem Gedicht unterstützen:

D’Stadt Schopfe so liest ma, hätt kei Geld, oder hän di sich dört nur verzählt? Für d Brünnli reicht’s nümmi di solle drogge bliibe, ja god’s no, loßt sich däs denn nit verschiebe? Nei, bschlosse isch’s, für Wasser gibt’s kei Geld, au wenn uns däs jetzt nit gefällt. BI und Grüne süche deshalb Brunnenpate, e guedi Sach, des müass i sage. Jeder cha mit mache, jede Grosche zählt, und isch mit der Aktion vermählt. Weil däs isch e Herzensangelegenheit, die zum mit mache grad so schreit. Wenn alles klappt und Brünnli fließe, au Blümli am Brunne müß ma gieße. D’Stadt nächst’s Johr us Dank ä Brunnenfest spendiert, dann hätt sich däs für alli doch rendiert.

Helmut Pordzik, Wehr

Sie möchten die Patenschaft für einen Brunnen in Schopfheim übernehmen oder sich an einer Patenschaft beteiligen?

  • Schreiben Sie uns eine E-Mail an kontakt
  • Nutzen Sie das Kontaktformular auf der Grünen: Nachricht schreiben

Wir setzen uns mit allen Interessenten dann in Verbindung.

Robert Bartlett

Stadtentwicklung heißt auch, Vergangenes erkunden um daraus für die Zukunft Ideen zu gestalten. Wir von der Attraktive verkehrsfreie Innenstadt freuen uns sehr, dass Robert Bartlett, Mitglied in der Attraktive verkehrsfreie Innenstadt, sich so intensiv mit dem Thema Brunnen in Schopfheim beschäftig.

Die ersten Ergebnisse können Sie in der Zeitung lesen:
Ein Brite will das Wissen über die Schopfheimer Brunnen retten (BZ Plus-Artikel)
Sternchen für die Brunnen

Glück im Glas

Schopfheim soll einen Unverpackt-Laden bekommen.

Weiterlesen

Die übergeordnete Auffassung, eine Zusammenfassung zum Thema Stadtentwicklung

Jürgen Fremd

Stadtentwicklung kann erfolgreich nur im Ganzen funktionieren – für und mit unseren Bürgerinnen und Bürgern.

Die Attraktivität und Standortqualität einer Kommune wie Schopfheim setzt sich in nachhaltiger Balance zusammen aus qualifizierten Unternehmen des Einzelhandels, der Gastronomie, des Handwerks, gute innerstrukturelle Bedingungen, Wohn- und Begegnungsorte für die Bürgerinnen und Bürger unter Beachtung guter kultureller Angebote.

Um diese gute Situation zu erreichen ist ein Gesamtkonzept als eine qualitative Vision zwingend notwendig. Wir wollen deshalb diese Vision 2030 erarbeiten und dabei viele gute und schon lange bestehende Ideen in ein Gesamtbild einfließen lassen. Das betrifft ganz Schopfheim mit all den anderen Themen aus dem Leitbild.

Insbesondere gilt das aber eben für die Kernstadt mit ihren vielfältigen strukturellen Potenzialen. Die Konzentriertheit der Innenstadt: Der Marktplatz mit großem, in weitem Umfeld bekannten Wochenmarkt, eine historische Altstadt, Stadtpark, bietet fußläufig Anbindung an den vorhandenen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) viele Chancen. Diese Chancen zu erkennen, konsequent zu nutzen, zu gestalten und auszubauen, ist im Sinne der anfangs genannten Attraktivität und Standortqualität unser erklärtes Ziel.

Erfolgreiche Städte wie z. B. Nagold, erreichen diese Ziele unter anderem auch mit der Gründung eines Stadt-Vereins in Verbindung mit dem Gewerbeverein. Über die gemeinsame Arbeit an einem Ziel entsteht eine erfolgreiche und positive Situation für Alle. Für die Bürgerinnen und Bürger wird die Lebensqualität verbessert, es entsteht eine hohe Identifikationskraft mit dieser schönen Stadt Schopfheim und seinen Ortsteilen.

Einen solchen aktiven Planungs-, Veränderungs – und Verbesserungsprozess als erfolgreiche Stadtentwicklung für Schopfheim wollen wir gemeinsam mit unserem Bürgermeister Dirk Harscher starten und unterstützen.

Nachfolgend nur einige Beispiele:

Dekblatt des Leitbildes für Schopfheim

Stadtentwicklung aus Sicht eines Familienvaters

Sebastian Prigge

Ich wohne noch nicht viele Jahre in Schopfheim aber Schopfheim ist meine Heimat.

Schopfheim, eingebettet in das wunderschöne Wiesental mit dem angrenzenden Hochschwarzwald, bietet alles was ein Familienvater braucht.

Ich bin der Meinung, dass in Schopfheim und seinen Ortsteilen ein unglaubliches Potenzial für eine Stadt beziehungsweise einen Ort zum Wohlfühlen für alle Bürgerinnen und Bürger steckt. Um dieses Potenzial zu entfalten braucht es Mut und einen langen Atem.

Schopfheim braucht einem gut gestaltete Umfahrung um die Kernstadt herum für den Individualverkehr und den Durchgangsverkehr. An den Haupteingangsstraßen mit ausreichend Park- und Landemöglichkeiten für Fahrräder und Autos. Der Beginn muss am Bahnhof ein Parkdeck sein. Dieses Parkdeck muss für viele Möglichkeiten konstruiert werden. Z. B. für eine Umnutzung zu Büroflächen, eine Strandbar im Sommer auf dem obersten Deck oder auch für Flächen für den Einzelhandel.

Mit einer Umfahrung und den nötigen Parkraum entsteht der nötige Autofreie Gestaltungsspielraum auf und um den Marktplatz sowie in der historischen Altstadt von Schopfheim. Damit gibt es Raum für kleine Oasen der Ruhe, eine vielfältige Gastronomie, vielen Geschäfte und Begegnungsräumen für Vereine, Musiker oder Vorträgen z. B. in den Uehlin-Häusern.

Um dieses Ziel der Stadtentwicklung zu erreichen braucht es ein Plan, einen langfristigen Plan mit einem Zeitraum von mindestens 10 Jahren, eine Vision 2030, an der alle Beteiligten festhalten. Nur so kann in vielen kleinen Schritten das skizzierte erreicht werden.

Mit einer Managerin für die Stadt können viele Veranstaltungen unter freiem Himmel realisiert werden die für die nötige Belebung der Innenstadt sorgen.

Die Stadt Schopfheim

Bereits im Jahr 1996 gab die Stadt Schopfheim eine Untersuchung zum Einzelhandel im Städtebau bei dem Planungsbüro Dr. rer.pol. Donato Acocella, Stadt- und Regionentwicklung in Auftrag.

Dieses Gutachten wurde 2004 aktualisiert. Gerne können Sie sich dieses Einzelhandelsgutachten für die Stadt Schopfheim als Baustein für ein Stadtentwicklungskonzept durchlesen.

Obwohl viele Punkte aus dem Gutachten von 2004 noch nicht umgesetzt wurde und somit das Gutachten an Aktualität nicht veloren hat, gab die Stadt Schopfheim im Jahr 2017 eine erneute Aktualisierung den Gutachtens in Auftrag.

Der zentral gelegene Marktplatz von Schopfheim bietet auf Grund seiner Dimensionierung, der geschlossenen Bebauung und der Architektur hervorragende Bedingungen für einen attraktiven Platzbereich. Durch die gegenwärtige Nutzungsstruktur und Gestaltung kann der Platz seine Potenziale jedoch nicht entfalten. Der Marktplatz sollte künftig seine Funktion als städtebauliche Mitte sowie als Treff- und Kommunikationspunkt der Schopfheimer Innenstadt wahrnehmen.
Einzelhandelsgutachten für die Stadt Schopfheim als Baustein für ein Stadtentwicklungskonzept
Einzelhandelskonzept von 2004
Gutachten als Grundlage zur Fortschreibung des Einzelhandelskonzeptes der Stadt Schopfheim
Einzelhandelskonzept von 2018

Spaziergang durch Schopfheim

Am 12. Juli 2017 haben wir, die Bürgerinitiative Attraktive verkehrsfreie Innenstadt, eine Präsentation gezeigt. Die Worte sind gesprochen aber die Bilder des virtuellen Spaziergangs können Sie sich anschauen:

Die Fotos zeigen wichtige Orte und die Möglichkeiten für die Stadt Schopfheim aus Sicht der Bürgerinitiative Attraktive verkehrsfreie Innenstadt

Virtueller Rundgang durch die umgestaltete Innenstadt Schopfheims

Gerne können Sie sich unsere Animation einer umgestalteten Schopfheimer Innenstadt direkt anschauen: