Wenn nicht jetzt, wann dann?

Die Corona-Krise ist auch für Schopfheim noch nicht ausgestanden. Sie hat vieles lahm gelegt, Genesung und Trauer gebracht. Sie setzt Familien zu, bedroht die Existenz von Geschäften, Vereinen und Künstlerinnen und Künstlern. Sie erhöht den Schuldenberg der Kommune durch Steuerausfälle. Sie engt Kommunikation immer noch ein und hinterlässt manche Depressionen. Aber mit der Öffnung am Montag, 27. April 2020 kam ein Hoffnungsschimmer. Wir können wieder einkaufen, Bus und Bahn fahren, die Eisdiele besuchen, Behördengänge erledigen, wenn auch mit erträglichen Einschränkungen.

Dass wir in Schopfheim bis jetzt gut über die Runden gekommen sind, dafür gebürt auch Bürgermeister Dirk Harscher und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Verwaltung ein herzlicher Dank.

Die Zukunft

Und zugleich müssen wir uns mit dem vorsichtigen, teilweisen Wiederhochfahren, Gedanken darüber machen, wie unsere Zukunft aussehen soll. Ist unsere Gesellschaft, ist insbesondere die Politik in Stadt, Land und Bund lernfähig und mutig? Wie heißt die nächste Krise? So wie uns das Corona-Virus weiter bedrohen wird, so ist die Klima-Krise, der Klimawandel allgegenwärtig, seit drei Jahrzehnten bekannt und wissenschaftlich belegt. Unsere politischen Maßnahmen im letzten Jahrzehnt sind dagegen beschämend. Wir dürfen nicht zulassen, dass einige Politikerinnen und Politiker in Folge der Corona-Krise die Umweltziele entschärfen oder sogar aussetzen wollen.

Die Veränderungen

Viele Bürgerinnen und Bürgern genießen den deutlich reduzierten motorisierten Verkehr: weniger Hektik, weniger Lärm, weniger schlechte Luft, dafür mehr Lust zum Einkaufen, Kommunizieren und Verweilen. Die schon lange angedachte und von den Fridays for Future forcierte Energie- und Mobilitätswende muss jetzt um der Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder willen einen enormen Schub erfahren.

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Bestehende Modelle wie der Citybus müssen gestärkt und ihre Nutzung attraktiver werden. Die Preispolitik des Öffentlichen Personennahverkes (ÖNPV) sollte geändert werden. Wo bleibt das 1,- Euro Ticket zwischen Hausen und Maulburg?

Die Förderung der Innenstadt von Schopfheim

Ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen im Bund heißt Stärkung der Innenstädte über einen Gutschein von 250,- Euro für jede Bürgerin und jeden Bürger. Dieser Gutschein ist ausschließlich in den Geschäften der Innenstadt einlösbar. Die Geschäfte können ihr Erscheinungsbild attraktiver gestalten, wie es das Acocella-Gutachten vorgeschlagen hat. Wie am Hieber-Kreisel in Schopfheim können weitere Freiflächen begrünt und mit Blumen nachhaltig verschönert werden. Da in Zukunft mehr Urlauber den Südschwarzwald zum Urlaubsziel haben werden, muss ein interessantes und die Region einbeziehendes Tourismuskonzept erstellt und schrittweise umgesetzt werden. Dazu passen die Verkehrsreduzierung der Hauptstraße und deren Einschränkung auf Schrittempo (7 kmh), die Autofreiheit des schönen historischen Marktplatzes, das länger geplante Parkdeck am Bahnhof, die Begrünung der bestens angenommenen Fußgänger in der Scheffelstraße - dies alles sofort oder in 2020 beginnend. Die politische Willenserklärung zum Cityverein und deren Verwirklichung steht jetzt an - auf was warten wir denn? Die Ühlin-Häuser im zentralen Mittelpunkt von Schopfheim sollten jetzt verkauft werden für ein gutes und nachhaltiges Vorhaben für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Schopfheim und seinen Ortsteilen.

Ein Konzept zur Stadtentwicklung mit Prioritätenangaben ist vorzubereiten und öffentlich zu starten - wir warten schon lange darauf. Dass wir weniger Autos und stattdessen mehr Gesellschaft und Kommunikation brauchen, ist in der Corona-Krise deutlich geworden.

Kapitulation vor Wachstum?

Diese Notwendigkeiten nicht auszuführen, würde ein Zurück in den bisher gewohnten Trott bedeuten: zurück in die Kapitulation vor Wachstum und Beschleunigung und vorwärts in weitere Umweltverschmutzung materiell, kulturell und geistig. Wir können lernen, Lebenswichtiges von nur Geschäftigem zu unterscheiden und die Stadt Schopfheim im entsprechenden Spirit zu gestalten. Die Bürgerinnen und Bürger in großer Zahl für das vorgeschlagene Entwicklungsprojekt Stadt Schopfheim zu begeistern und mitzunehmen, ist die kommende wichtigste Aufgabe für den Gemeinderat, für den Bürgermeister, für die Verwaltung und für die Bürgerinnen und Bürger. Damit tragen wir zur Vermeidung der nächsten Krise schon jetzt im Sinne der Bürgerinnen und Bürger bei.

Lassen Sie uns jetzt damit starten!

Dr. Andreas Blum, Jürgen Fremd, Prof. Dr. Uwe Gerber und Sebastian Prigge